Pepita – das unendliche Leid einer Jagdhündin

Pepita ist eine von unzähligen Jagdhunden auf Sardinien, die, genau wie ihre Leidensgenossen, für die Jagd am Wochenende benutzt werden. Ja, benutzt, denn sie ist nicht mehr als ein Gebrauchsgegenstand, den man bei Bedarf hervorkramt. Was bei uns nicht vorstellbar ist, vor unserer Haustür - nur 2 Flugstunden entfernt - ist es grausame Realität:
Jagdhunde werden während der Woche irgendwo weggesperrt oder angekettet, sporadisch gefüttert und ihr einziger Daseinszweck ist die Jagd. Taugen sie dafür nicht, werden sie oft an ihren Ketten und in ihren dunklen Verschlägen vergessen, sind nur noch lästig. Sie werden außerdem weder kastriert noch medizinisch versorgt. Man lässt „der Natur ihren Lauf“…

Mitarbeiter der Forstbehörde fanden Pepita auf einer ihrer Patrouillen in den Bergen. Weit weg von jeglicher Zivilisation, angekettet, ohne Futter, ohne Wasser und…..hochträchtig!! Es ist unklar, wie lange die werdende Mutter dort schon litt, aber sie war am Ende ihrer Kräfte. Die Männer der Forstbehörde wissen, wem welches Areal gehört und es wurde klar, dass der Eigentümer ca. 50 km weg wohnt. Sie beschlossen sofort, Pepita in Sicherheit zu bringen. Übrigens: Auch Carino, der schwer an Leishmaniose erkrankt und vernachlässigt wurde, hat dieser Behörde sein Leben zu verdanken – sie machten uns auch auf sein Schicksal aufmerksam.

 

Die Beamten befreiten die dehydrierte Pepita von ihrer Kette und trugen sie zu ihrem Wagen, weil sie schnellstmöglich ärztliche Versorgung brauchte. Noch von unterwegs kontaktierten sie unsere sardischen Kollegen und baten um Hilfe. Es war keine Minute zu früh, denn schon während der Fahrt lag die Hündin in den Wehen und brachte den ersten Welpen im Auto zur Welt! Nach der Notfallversorgung haben wir Pepita und ihr Baby auf einer privaten Pflegestelle untergebracht und 5 weitere Geschwister erblicken das Licht der Welt. Die 3 Jungs Peppino, Peanuts und Paddy als auch die 3 Mädchen Pepper, Peaches und Perrera sind wohlauf. Mama Pepita kann sich erholen und zu Kräften kommen, damit sie ihre Welpen stillen kann. Die kleine Familie wird nie wieder Leid erfahren.

 

Man stelle sich einmal vor, wie es gelaufen wäre, wenn die Beamten Pepita nicht gefunden hätten: An der Kette gedeckt, trächtig und nur rudimentär versorgt, hochträchtig dann ohne Futter, ohne Wasser. Kein Unterschlupf, Sonne, Regen und Kälte ausgesetzt. Die Welpen wären zur Welt gekommen, ohne dass ihre Mutter sich hätte bewegen können. Wären sie dann nur ein paar Zentimeter außerhalb des Kettenradius gekrochen, wären sie vor den Augen ihrer Mutter! verhungert, verdurstet oder erfroren. Das ist so grausam, dass man den Gedanken nicht einmal zu Ende denken möchte. Aber wir erzählen die Geschichte, weil Pepita kein Einzelschicksal ist. Es ergeht zahllosen Jagdhunden genau wie ihr.

Wir werden nicht müde, auf das stille Leid der Gebrauchshunde aufmerksam zu machen, ihr Schicksal abzuwenden. Es ist noch ein langer, steiniger Weg. Aber wir haben nun bereits öfter die Behörden auf unserer Seite. Menschen, die nicht wegsehen. Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass man mit uns zusammenarbeitet oder sich an uns wendet. Wir machen weiter. Für Pepita und all die anderen Hunde, die nur Gebrauchsgegenstände sind. Sei es bei der Jagd, an der Schafherde oder beim Bewachen irgendwelchen Eigentums.

 

Wir berichten in Kürze weiter und stellen Pepita und ihre Babys dann hier vor, denn sie alle brauchen eine liebevolle Familie.