Ronny - sollte erschossen werden!

Er fiel unserer Kollegin Claudia bei ihren Fahrten nach HOPE auf. Schwer von Sarcoptesräude gezeichnet und kaum noch als Maremmano zu erkennen, hielt sich dieser Hund fast immer in der Nähe einer Schafherde auf. Waren die Schafe nicht da, sah man auch ihn nicht. Ein Bild des absoluten Elends…

Claudia ließ der arme Tropf keine Ruhe. Sie blieb am Ball, wartete bis sie den Bauern sah, der die Schafe trieb und erkundigte sich bei ihm. Der Bauer war ziemlich angewidert, beklagte sich darüber, dass der Hund schon seit Welpenalter mit seinen Schafen mitzöge. Es sei aber nicht seiner. Dennoch
habe er ihm mal etwas gegen seine Räude gegeben – es hätte aber nichts genützt. Der Bauer wirft ihm wohl auch ab und an etwas zu fressen hin, damit er nicht verhungert. Er gab Claudia zu verstehen, dass der kranke Maremmano sehr gefährdet sei. Die Tatsache, dass er intensiv an den Schafen hängt, bringt die anderen Bauern und Schäfer auf den Plan. Sie wollen ihn erschießen, weil sie Angst haben, dass er ihre Schafe infiziert.


Bei Claudia schrillten alle Alarmglocken. Sie informierte uns und begann konsequent, den Rüden anzufüttern. Sie nannte ihn Ronny. Jeden Tag fuhr sie zu ihm, bewaffnet mit Würstchen, Hühnerfleisch oder Schinken. Zunächst war Ronny Herdenschutzhund-typisch reserviert und misstrauisch. Er nahm jedoch das Futter auf Distanz an. Claudia arbeitete sich Stück für Stück vor, jeden Tag verringerte sie die Distanz. Und dann war es soweit, sie konnte ihn sachte berühren.

Zuerst war Ronny das mehr als suspekt, er hat ja keinerlei positive Erfahrung mit Menschen. Aber Claudia konnte sich sein Vertrauen mit großem Zeitaufwand erarbeiten. Eigentlich wollte sie eine Falle mit Futter aufstellen. Aber das hätte eventuell die Vertrauensarbeit zunichte gemacht. Also nahm sie sich ein Herz, fuhr gemeinsam mit ihrer Schwester zu Ronny und legte ihm bei der täglichen Fütterung eine Leine um den Hals. Bingo! Gemeinsam mit ihrer Schwester setzte sie ihn in eine Box und dann sofort ab in die Klinik.


Ronny hatte nicht viel einzuwenden, denn er ist entkräftet und im Moment sehr krank. Ein fast gebrochener Hund, der aber zu spüren scheint, dass es nun jemand gut mit ihm meint. Zur Abstimmung der Medikamente haben wir 2 Schnelltests machen lassen. Ronny wurde auf Leishmaniose negativ, auf Dirofilariose (Herzwürmer) positiv getestet. Die Behandlung der Sarcoptesräude kann wegen der Filarien nur sehr vorsichtig dosiert stattfinden. Dies verlangsamt zwar den Prozess etwas, jedoch ist uns das Risiko, dass unter normaler Dosierung der Medikation zu viele Mikrofilarien auf einmal absterben, zu hoch (Intoxination).

Ronny ist nun auf HOPE in der Quarantäne und wird behandelt. Claudia verwöhnt ihn jeden Tag mit Hühnchen und Schinken, spricht und schmust mit ihm. Aus hygienischen Gründen geht das auf HOPE natürlich nur mit Handschuhen. Ronny stört es nicht weiter. Seine Blicke sprechen Bände. Er muss
körperlich und auch seelisch heilen. Beides wird viele Wochen dauern. Aber Ronny ist jung, knapp 6 Jahre alt. Wir sind zuversichtlich, dass uns irgendwann ein wunderschöner, cremeweißer Maremmano hoch erhobenen Hauptes und wedelnd gegenübersteht, um uns zu begrüßen. Ronny wird bald in die
Vermittlung aufgenommen.

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