Die besonders tragische Welpenflut 2021

Die jährliche Welpenflut ist nichts Neues, wir kämpfen jedes Jahr um die kleinen Opfer. Im Sommer erreicht das Welpenelend gewöhnlich eine traurige Spitze, weil die meisten Hündinnen in der wärmeren Jahreszeit läufig werden und es auf Sardinien trotz unserer permanenten Präventionsarbeit natürlich insgesamt immer noch zu wenige Kastrationen gibt. Dieses Jahr jedoch ist es noch schlimmer als sonst.

Wir bekommen ununterbrochen Welpen aus Sardinien gemeldet, auch jetzt noch. Alle sind in Not. 4 Babys werden aktuell mit der Flasche aufgezogen, weil man sie mit gerade einmal 14 Tagen in einen Karton gepackt und gnadenlos entsorgt hatte. Siehe Fotos. Wenn sie alt genug sind und es schaffen (bei so kleinen Würmchen kann einiges passieren bis zur Impfung), stellen wir die Geschwister hier vor.

 

Unsere sardischen Pflegestellen sind bereits alle voll besetzt; auf HOPE können sehr junge Welpen ohne ihre Mama nicht adäquat versorgt werden: Sie brauchen Wärme, Futter in kurzen Abständen, eine Rund-um-die-Uhr Betreuung und einiges mehr. Das können wir in unserer Auffangstation einfach nicht leisten…

 

Aber das ist noch nicht das ganze Dilemma, denn auch aus Deutschland erreichen uns täglich Anrufe, weil Menschen, die in Zeiten von Lockdown und Home-Office unüberlegt einen Welpen angeschafft haben, diesen nun wieder loswerden möchten. Das sind die Corona-Dogs, die es gar nicht geben dürfte. Wir hatten bereits in einer frühen Phase der Pandemie mit obigem Artikel davor gewarnt und angekündigt, dass wir aufgrund der voraussichtlich nur zeitweilig geänderten Lebensumstände jede Adoptionsanfrage noch gründlicher prüfen als gewohnt. Nun bitten uns vermehrt Hundebesitzer, denen wir genau deshalb keinen Hund vermittelt haben, um Hilfe. All diese überflüssig gewordenen Welpen und Junghunde stehen nämlich nun auf dem Schlauch:

Die Züchter, auf die man seinerzeit ausgewichen ist, nehmen sie nicht oder nur bedingt zurück; die Tierheime sind bereits voll und können nicht noch unzählige junge Hunde aus dem internationalen Tierschutz aufnehmen. Deutschland hat, bedingt durch Corona und die Kurzsichtigkeit vieler Menschen, nun eine eigene Welpenflut. Das hätte nicht sein müssen, aber niemand konnte diese Hunde vor dem menschlichen Ego beschützen.

 

Auch wir bekommen die Auswirkungen zu spüren: Welpen und Junghunde, die unter normalen Umständen recht schnell ein geeignetes Zuhause finden, sitzen teilweise schon Monate bei ihren Pflegefamilien. Jeder hat offenbar schon einen jungen Hund (nicht von uns) – unter welchen Umständen auch immer angeschafft. Wir machen allerdings keinerlei Kompromisse bei unseren sorgfältig ausgearbeiteten und bewährten Regularien. Dadurch verlängert sich der Vermittlungsrhythmus, unsere Pflegestellen werden nicht frei für die Welpen, die auf Sardinien so dringend auf einen freien Platz warten – alles gerät ins Stocken. Die Leidtragenden sind, wie so häufig, die Hunde!