Happy End für Smilla
Bevor ich von dem glücklichen Ausgang bei der Suche nach einem neuen Zuhause für unsere Smilla, eine der drei auf Sardinien am 10. Mai geborenen Maremmanomix-Geschwister, berichte, muss ich erst einmal von einem sehr traurigen Geschehnis erzählen:
Am 31. Mai starb überraschend unsere geliebte Neve, eine Maremmano-Hündin, die wir im November 2014 über den auf die Vermittlung von sardischen Herdenschutzhunden spezialisierten Verein „saving dogs“, auf deren Seite Sie sich gerade befinden, von Karin Loebnitz übernommen hatten.
Die schöne und extrem gutmütige, verträgliche und absolut kinderfreundliche Maremma war damals 1 ½ Jahre alt und hatte von Welpen Beinen an in einem überfüllten sardischen Tierheim gesessen. Gemeinsam mit meiner ältesten Tochter Charlotte und Karin Loebnitz haben wir sie in Olbia abgeholt. Das ZDF hat damals sogar eine Reportage für die Reihe „Die Hundeflüsterin“ darüber gedreht, war es doch schließlich das erste Mal, dass ich, die langjährige Moderatorin der WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ und Redakteurin von „Herrchen gesucht“ beim HR, sowie Autorin von sieben Hundebüchern, mir einen Vierbeiner aus einem Tierheim aussuchte! Alle anderen unserer zahlreichen Schützlinge hatten wir immer während unserer Reisen und Urlaube an Strand und Straße selbst gefunden, gerettet – und behalten! Deswegen hatte ich bisher auch nie - vom Aussehen her - so einen Hund, wie ich ihn mir immer wünschte.
In meinem Buch über Hunde aus dem Ausland bezeichne ich meinen „Wunschhund“ als „Eisbär-Hund“; gemeint sind die großen weißen Herdenschutzhunde, wie es sie von Kaukasus und Türkei über Osteuropa und Italien bis zu den Pyrenäen gibt. Einmal einen Kuvasz oder Maremmano, das war immer mein Wunsch. Aber natürlich musste er vom Tierschutz stammen. Als unser auf Sizilien ausgesetzter Schäferhundrüde Matteo nach vielen Jahren starb, war nun ein Platz frei geworden, und ich nahm Kontakt zum Tierschutz auf.
Karin Loebnitz kannte seinerzeit nahezu jeden der rund 700 (!) Hunde im Tierheim von Olbia (über das ich einmal einen Film für den WDR gedreht hatte), v.a. die zahlreichen Maremmanos. Es sollte ein Weibchen sein und eigentlich ein Herdenschutzhund „light“, also möglichst ohne den Schutzinstinkt dieser tapferen Herdenbewacher. Zumindest sollte dieses Verhalten nicht ausgeprägt sein. Denn mein jüngster Sohn war damals elf, und in unserem Haus und Garten gingen Kinder ein und aus. Karin suchte Neve schon einmal VOR aus. Charlotte und ich würden wahrscheinlich heute noch zwischen den damals knapp 80 Freiläufen mit jeweils um die zehn Hunden völlig überfordert herumlaufen, um unser neues Familienmitglied zu suchen… Immer mit den KollegInnen vom ZDF auf den Fersen.
Karin hatte Neve für uns favorisiert, Und Neve war ein Volltreffer. „Neve“ ist italienisch und bedeutet „Schnee“, ein herrlich passender Name, den die Italiener ihr gaben und den wir natürlich gerne beibehalten haben. (Auch wenn wir während eines Taunus-Spaziergangs, als wir sie riefen, mal ungläubig gefragt wurden: „Ihr Hund heißt „Rewe“?)
Neve war ein Schatz, sie passte auf unser großes Grundstück, Haus & Hof auf, freute sich aber über jeden Besuch und schmuste mit allen kleinen wie großen Menschen – am liebsten auf Festen, in einer vollen S-Bahn oder auf der belebten Frankfurter Zeil – was sie ja kaum von ihrer Kindheit her gekannt haben konnte. Sie ging sofort mit unserem Sohn Darius und seinen gleichfalls 11- und 12jährigen Freunden spazieren, kam mit unseren Katzen, unserer hyperaktiven Segugio-Mix-Jagdhündin Anna klar und half geduldigst unserer panisch-ängstlichen – wahrscheinlich - Kangal-Mix-Hündin Layla, ausgesetzt und aufgesammelt bei Izmir, bei der Eingewöhnung. Ohne die extrem soziale Neve hätten wir das nicht hingekriegt.
Wegen ihrer Schönheit und Sanftmut avancierte sie zum begehrten Fotomodell auf meinen Autogrammkarten, Plakaten und den Flyern meiner damaligen Sendungen. Ach, über Neve könnte ich ein ganzes Buch schreiben. Sie war einfach nahezu perfekt, und das, obwohl sie die wichtige Sozialisierungs- wie auch die Prägungsphase im Tierheim verbracht hatte! Alle liebten sie. Ich hatte immer Angst vor dem Tag, an dem wir sie verlieren würden. Nun ist es passiert. Unerwartet und im Kreise der ganzen Familie. Alle waren da und um sie, als sie am letzten Tag des Mais in meinen Armen starb, an Herzversagen. Dass sie zu Hause starb und dass es ihr bis zum Tage davor gut ging und v.a., dass sie 13 Jahre als geworden ist, ist uns ein großer Trost. Aber sie fehlt. Jeden Tag. Ihr Lieblingsplatz im Wohnzimmer vor dem Fernseher, wo sie abends immer laut träumte, ist leer. Die verspielten Jungkater vermissen ihren buschigen Schwanz, mit dem sie immer spielen durften. Layla muss nun ohne ihre souveräne Gefährtin klarkommen.
In meinem Buch „Wenn das Haustier stirbt“ schrieb ich, dass ich nicht verstehen kann, wenn man sich nach dem Tod seines Tieres wieder den gleichen Hund anschafft, dieselbe Rasse oder zumindest eine ganz ähnliche. Ich wollte eigentlich keinen Hund, der wie Neve aussieht und mich ständig an sie erinnert. Und - ganz ehrlich - es könnte zukünftig auch gut und gerne eine Nummer kleiner sein…
Aber dann hat Charlotte, die seit Jahren regelmäßig die Homepage von „saving dogs“ durchschaut, die drei Wurfgeschwister Benia, Betty & Bebo entdeckt. Daraufhin wurde das Ziel einer Wohnmobil-Tour für Ende August von ihr mit meinem Mann Dieter kurzerhand vom Lago Maggiore auf Sardinien umgeändert, eine Fähre gebucht und die kleine Betty direkt und persönlich im Refugium HOPE von saving-dogs auf der Insel abgeholt. Wir wollten diesmal ausnahmsweise tatsächlich einen Welpen wegen der besseren Gewöhnung an unsere beiden hundezutraulichen Kater.
Weil wir schon eine Betty kennen, wurde nach einem neuen Namen gesucht. Wenn dies eine fünfköpfige Familie tut, kann das kompliziert werden. Alle hatten sofort Vorschläge: Meine italienischen Ideen von Livia bis Chiara kamen nicht an, Charlottes Ava von „Avalange“ für „Lawine“ und viele andere Ideen ihrer beiden Geschwister auch nicht – bis das allgemeine, anhaltend intensive Brainstorming endlich zu Smilla führte. Hier waren sich zu meiner großen Erleichterung alle einig, dass das ein guter Namen ist. Und wegen des Bezugs zu Schnee auch eine Hommage an unsere unvergessene Neve, die wir nach wie vor schmerzlich vermissen. Zumal sie uns auch bei der Erziehung des kleinen Teufelsbratens bestimmt gute Dienste geleistet hätte.
Schade, dass Neve und Smilla sich nicht kennengelernt haben. Unserer inzwischen auch schon 12jährigen Layla geht Smilla eher auf die Nerven. Auch die Katerchen fragen sich, ob ihr Einzug wirklich nötig gewesen wäre… Aber das kriegen wir schon hin. Jetzt sind mein Mann und ich erstmal mit Smilla im Spanienurlaub. Sie freut sich über das Mittelmeer. Und die Vierbeiner zu Hause über die Ruhe. Und wir alle freuen uns auf viele schöne Jahre mit unserer zweiten Maremma und sind gespannt auf den Winter und ihr Gespür für Schnee…
Jetzt müsste nur noch ihr munterer Bruder genauso viel Glück wie seine beiden schönen Schwestern haben und auch ein schönes Zuhause für immer finden!
Valencia, Oktober 2025 Claudia Ludwig
Hier finden Sie Bettys Geschichte:
Benia, Betty und Bebo – 3 Welpen vor dem Aus
Unser sardisches Netzwerk funktioniert gut. Wenn es dort knistert, ist mindestens 1 Hund in Gefahr. Diesmal sind es sogar 3! Der Informationsaustausch erfolgt zügig, Videos und Fotos werden geteilt; ein sardischer Tierschützer macht sich auf den Weg. Was er vorfindet und uns berichtet, ist unfassbar traurig:
Auf einem kargen Feld im Hinterland, der glühenden Sonne hilflos ausgeliefert, kämpfen 3 winzige Maremmano-Welpen ums Überleben. Sie haben weder Wasser noch Futter. Es sieht nicht gut aus; eines der Babys ist bereits so schwach, dass es weder das mitgebrachte Notfallfutter noch Wasser annimmt. Der Besitzer kommt dazu und erzählt auf Nachfrage, dass seine HSH-Hündin (die Mutter) überfahren wurde. Zwei der Welpen seien bereits tot. Er habe keinen Sinn darin gesehen, sich um die anderen Würmchen zu kümmern. Das ist kaum zu ertragen, aber leider immer noch eine Realität auf Sardinien. Der Bauer ist einverstanden, dass der Tierschützer unseres Netzwerks - und damit wir - die Welpen übernehmen.
Wir haben die kleinen Mädchen Benia und Betty genannt, den Rüden Bebo. Alle sind von Parasiten übersäht, geschwächt und stark dehydriert. Bebo geht es so schlecht, dass er sofort in die Tierklinik muss. Dort wird festgestellt, dass er hochgradig anämisch ist und Fieber hat. Er kommt sofort an den Tropf. Aber der Horror geht weiter: Der Winzling hat die Ohrmuschel voller Maden, die sich dort winden und sein Fleisch fressen. Eine zweite Wunde hat Bebo unter dem Auge. Auch dort haben sich Maden eingenistet. Ein Auge tränt und ist gereizt. Nachdem Bebo stabilisiert ist und seine Wunden versorgt sind, werden die 3 Mäuse auf einer sardischen privaten Pflegestelle untergebracht und gepflegt.
Beim 2. Kontroll-Besuch in der Klinik entfernen die Ärzte bei Bebo eine riesige Granne, die sich in den Augapfel gebohrt hat und furchtbare Schmerzen verursacht. Sein Auge wird mit entsprechenden Salben behandelt, aber er wird einem Augenarzt vorgestellt werden müssen, da die Granne die Cornea durchbohrt hat. Dies ist aktuell nicht möglich, da während der Urlaubszeit kein guter Ophthalmologe greifbar ist. Das Leid geht für den armen Knirps noch weiter: Wir haben ihn röntgen lassen, weil er nicht normal läuft. Er hat sich da draußen auf dem Feld ein Hinterbein gebrochen! Wieviel Schmerzen kann so ein winziges Baby ertragen?! Wir sind wütend und fassungslos, bleiben aber zielgerichtet: Bebo muss schnellstmöglich nach Deutschland kommen, damit sowohl sein stetig wachsendes (deshalb kein Gips) gebrochenes Beinchen als auch sein Auge fachärztlich behandelt werden können. Seine ganze Zukunft hängt davon ab!!
Die beiden Mädchen, Betty und Benia, sind inzwischen auf HOPE und putzmunter. Bebo bleibt selbstverständlich zunächst bei der sardischen Pflegestelle, da er intensiv betreut werden muss und sich mit seinem geschienten Beinchen nicht viel bewegen darf.
Wir suchen nun für Benia und Betty dringend Pflegestellen oder idealerweise ein HSH-geeignetes Zuhause. Sie müssen liebevoll geprägt werden und sind jung genug, um ihren Albtraum schnell hinter sich zu lassen. Die Wonneproppen können und sollen Ende August reisen!
Für Bebo haben wir bereits eine versierte Pflegestelle, die willens und in der Lage ist, sich um seine medizinischen Bedürfnisse zu kümmern. Auch er wird impfbedingt leider erst Ende August reisen können.
Bebo, der Bruder von Betty, jetzt Smilla wartet noch sehnsüchtig auf den Anruf seiner Adoptionsfamilie