Qui... Manchmal tut versagen richtig gut. Warum? Lesen Sie dazu einfach Quis Happy-End von Frauchen geschrieben...

Mein lieber Qui,

jetzt bist du schon fast ein Jahr bei uns und vor kurzem kam deine erste Anfrage! Das ist dann immer so ein bisschen der Lackmustest für die Pflegestelle: Geht’s noch (das Loslassen) oder geht es nicht mehr? Tja, um es kurz zu machen, wir haben nach Annie zum zweiten Mal versagt 😉

 

Dabei ging unsere Geschichte ziemlich strubbelig los: Wenige Tage vor deinem Transport wurde unser Ersthund Calvin schwer krank, mit der Aussicht auf eine monatelange Pflegezeit. Was tun? Der Familienrat beschloss, dass du trotzdem kommen solltest, um dir einen weiteren Winter im Canile zu ersparen. Und so packten wir am 16. November 2024 einen klapperdürren, schockgefrorenen Qui in den Kofferraum. Dass du einen Rucksack aus Sardinien mitbringen würdest, war uns schon klar, aber dass es ein 60-Liter-Treckingrucksack sein würde, leider nicht. Die ersten Wochen hast du keinen Fuß vor die Tür gesetzt. Wenn wir dich in den Garten getragen haben, standst du da wie ein Häufchen Elend, Schwanz und Kopf eingezogen, zitternd wie Espenlaub. Tagsüber hast du dich in einer Zimmerecke versteckt, nachts bist du über Tisch und Bänke gegangen (und hast deine Geschäfte erledigt), wie ein Tiger im Käfig. Weil ich wegen Calvin in dieser Zeit mit euch Dreien im Wohnzimmer nächtigen musste, habe ich bald nur noch im Zombie-Modus funktioniert. Essen wolltest du anfangs auch nur nachts, wenn überhaupt, obwohl man deine Rippen zählen konnte. Und zu allem Überfluss bescherte dir der erste Mittelmeertest auch noch das Prädikat „Leishmaniose-Hund“.

 

Ab wann es aufwärts ging? Vielleicht war es der Tag, an dem du dich das erste Mal im Garten selbständig in Bewegung gesetzt hast – auch wenn wir das anfangs anders wahrgenommen haben, weil du wie ein Aufziehmännchen den Kiesrundweg wieder und wieder abgelaufen bist, so dass wir nach einiger Zeit richtige Spurrillen drin hatten. Oder der Tag, an dem du das erste Mal gekommen bist, als ich dich wieder reingerufen habe? Oder der Tag, an dem ihr zum ersten Mal alle drei einträchtig in einem Bett lagt? Egal, auf jeden Fall lief es so wie wohl bei vielen Angsthunden – am Anfang sind die Schritte so millimeterkurz, dass man sie kaum wahrnimmt, aber irgendwann nimmt die Sache Fahrt auf. Was haben wir uns gefreut, als du uns das erste Mal die Einfahrt hochbegleitet hast! Und dann ein paar Schritte auf der benachbarten Wiese gelaufen bist! Ich glaube auch, es hat dir gutgetan, als Calvin zu Jahresbeginn allmählich wieder auf die Beine kam. Du hast sicher gespürt, dass uns allen ein großer Stein vom Herzen fiel, und die Fragezeichen in deinem Kopf („Ist das jetzt ein Hund oder doch etwas Anderes?“) konntest du auch ausradieren.

 

Und heute, 11 Monate später? Wenn du mit uns spazieren gehst, gerne auch mit den Rudelgassi-Freunden, kennst du nur die Gänge 3 bis 5. Als hättest du dir die ganze Energie, die du in 6 Jahren Canile nicht loswerden durftest, aufgespart und müsstest sie jetzt „ablaufen“. Jede Strecke, die wir zurücklegen, läufst du dreimal. Und zwischendurch noch ein paar Runden mit Annie auf der Wiese. Dabei geht uns jedes Mal das Herz auf. Deine große Angst vor dem Herrchen hast du noch nicht ganz ablegen können, aber es geht schon viel, viel besser als am Anfang. Sicher hat es im Tierheim jemanden gegeben, der mit dir nicht allzu nett umgegangen ist – wir verstehen das und sind sicher, dass du noch mehr Vertrauen fassen kannst. Mit anderen Hunden bist du auch noch vorsichtig, aber bei näherem Kennenlernen taust du schnell auf. Und seit ein paar Monaten darfst du mit uns zum Mantrailing gehen und hast schon voll verstanden, was da von dir erwartet wird!

 

Wir freuen uns, dass du jetzt zu unserem Rudel gehörst, lieber Qui, und haben dir gleich am Anfang den schönen Namen Quirin gegeben, das bedeutet der Kämpfer, der Lanzenträger. Gekämpft hast du wirklich, auch gegen die Leishmaniose und die Herzwürmer, die es noch obendrauf gab (von beidem merkt man gar nichts mehr). Und der Lohn dafür ist, dass der nächste Winter, der schon vor der Tür steht, ein viel schönerer und gemütlicherer wird als der letzte, denn wir werden alle zusammen vor dem Kamin und unter dem Weihnachtsbaum sitzen und es uns gut gehen lassen!

 

Caroline und Angelo mit Calvin, Annie und QUIRIN

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