Meine liebe Uma (Ümchen-Schnümchen)

gestern vor vier Wochen bist du in dein neues Zuhause gezogen. Du warst fast ein Jahr bei mir, nicht nur deshalb fiel mir der Abschied besonders schwer. Leicht machte zum Glück den Abschied, daß du in ein traumhaftes Zuhause bei ganz wunderbaren Menschen gezogen bist. Das Warten hat sich gelohnt!

 

Kurz zu deinem Anfang hier: Als deine Ankunft näher rückte, schärfte Karin mir ein, du solltest möglichst keine Treppen gehen und nur kurze Spaziergänge machen. Da hatten wir die Rechnung ohne Wirtin Uma gemacht. Obwohl dein schrecklicher Unfall vom 22. Januar 2024 gerade einmal drei Monate her war, warst du beim besten Willen kaum zu bremsen. Klar, du hast ein Hinterbein etwas geschont, aber man hätte eher einen Sack Flöhe ruhig stellen können als dich. Du bist daher von Anfang an, an kurzer Leine, mit spazieren gegangen. Die Versorgung mit Goldimplantaten in Homberg/Efze bei Frau Dr. Kusan hast du ebenso großartig gemeistert wie unseren Hotelaufenthalt. Draußen bist du eine wilde Hummel, die sich für wirklich alles interessiert. Im Haus (und Hotel und Restaurant) bist du ruhig und entspannt. Was für dein neues Leben sehr günstig ist, denn deine Menschen sind viel unterwegs, und du bist immer dabei. Ich bekomme regelmäßig Videos und Bilder, die mich sehr glücklich machen. Zu Hause gehst du mit zur Arbeit; wie es aussieht, mußt du nicht mit anpacken, sondern kannst in mehreren zur Auswahl stehenden Körbchen chillen. In der 4.500 qm großen Halle ist immer was los, Daniela und Jörn haben Mitarbeiter, die ihre Hunde zur Arbeit mitbringen können, für Gesellschaft ist also gesorgt, und eine Küche (!) gibt es dort auch. Die verstorbene Hündin von Daniela und Jörn hatte, wie du, Leishmaniose, und die beiden haben meinen höchsten Respekt dafür, daß sie sich nicht gesagt haben, einmal reicht, jetzt wollen wir einen komplett „negativen“ Vierbeiner. Du bist mit Allopurinol gut eingestellt, und ich gehe davon aus, die LM wird einem langen glücklichen Leben mit deinen Menschen nicht entgegen stehen.

Daniela hat mir geschrieben „Wir haben unsere Herzen an sie verloren“, und das wundert mich gar nicht. Du bist so lieb und den Menschen zugewandt. Das ist nicht selbstverständlich, nach all dem, was du mitgemacht hast. Keiner weiß, was du in deinen ersten Lebensjahren mitgemacht hast, ich weiß nur, daß du gehungert hast, denn bei deinem Unfall warst du nur Haut und Knochen. Das hat sich schnell geändert, denn du bist eine Freundin von Lebensmitteln (natürlich purinarm). Du fährst für dein Leben gern Auto, bist abenteuerlustig, mit allem und jedem verträglich, du kannst sprechen (du versuchst es wenigstens) und du bist blitzgescheit. Der erste Wurfversuch mit dem Futterbeutel war ein voller Erfolg, du hast mir das Teil sogleich ungefragt übergeben, Martin Rütter wäre begeistert! Ein echtes Naturtalent.

 

Mein Ümchen lebt jetzt in Willich (wenn sie nicht gerade Ferien macht, an der Nordsee, in Griechenland und so weiter und noch weiter) und heißt jetzt Juna.

Mach`s gut, mein Schatz!!!

Hier lesen Sie Uma`s Geschichte:

Claudias Tante war auf dem Heimweg, als sie einen Autounfall beobachtete, bei dem ein Hund überfahren wurde. Sie hielt sofort an und eilte zur Unfallstelle. Der Hund lag regungslos auf der Fahrbahn, deshalb nahm sie zunächst an, er sei tot. Aber dann hörte sie ein leises Stöhnen! Die Polizei (polizia) traf kurz darauf ein, kümmerte sich jedoch nur um den Fahrer und dessen Auto, weil für Tiere andere Kollegen (vigili) zuständig sind. Claudias Tante diskutierte mit der Polizei den Verbleib des Hundes, weil diese üblicherweise ins Canile gebracht werden – egal, wie schwer sie verletzt sind. Die Beamten wurden freundlichst überzeugt, ihr den Hund zu überlassen.

 

Die Tante lud also die schwer verletzte Trauma-Hündin, die sie Uma taufte, in ihr Auto und raste in die Klinik. Dort wurde Uma erstversorgt, untersucht und geröntgt. Des Weiteren wurde per Ultraschall nach inneren Blutungen und freier Flüssigkeit im Bauchraum gesucht. Uma ist am ganzen Körper mit Schnittwunden übersät, die teilweise geklammert wurden und hat tiefe Schürfwunden am Kopf und den Vorderläufen. Ihr linkes Auge hat auch heftig etwas abbekommen. Außerdem zeigt das Röntgenbild diverse schwere Brüche - unter anderem des Beckens! Uma befand sich in einem schweren Schockzustand und musste zunächst per Infusion und Medikamentengabe stabilisiert werden. Hier wurde auch sichtbar, dass die Hündin - nur noch ein Skelett mit Haut darüber - hochgradig anämisch ist. Ihr gesamter Zustand war also absolut lebensbedrohlich und ist es noch…

 

Was hier undenkbar wäre, ist auf Sardinien möglich: Die Klinik entließ die Patientin, weil dort keine stationäre Aufnahme verfügbar ist. Claudias Tante nahm sie mit nach Hause und kümmerte sich rund um die Uhr. Sie fütterte sie per Hand und zu unserer Erleichterung zeigte Uma einen gesunden Appetit, konnte Urin und Kot absetzen. Außerdem bekommt sie nun etwas gegen die starken Schmerzen, die sie zweifelsohne hat.

 

Was nun? Unsere Claudia hat Uma heute nach Olbia in eine andere Klinik gebracht zwecks weiterer Vorgehensweise. Es wurde Blut abgenommen; die Werte stehen noch aus. Laut Klinikchef lässt Umas aktueller Zustand keinesfalls eine OP zu – sie muss sich erst regenerieren und Gewicht zulegen! Er riet, sie intensiv zu umsorgen und zu füttern, füttern, füttern, damit sie sich stabilisieren kann.

Frakturen unversorgt zu belassen, ist kritisch: Der Körper beginnt, überall Kallus zu bilden, was vor einer OP kontraproduktiv ist. Wir müssen hier der Entscheidung des Chefarztes folgen und werden alles tun, damit Uma wieder gesund wird. Sie hat, soviel können wir jetzt schon sagen, noch einen langen Weg vor sich und braucht jede Hilfe, die sie bekommen kann!

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