Ich bin Virginia
Hallo zusammen,
mein Name ist Virginia und ich möchte euch heute meine Geschichte erzählen. Ich bin Virginia, ca. 12 Jahre alt und habe die meiste Zeit meines Lebens auf mich allein gestellt in einem Canile verbracht…
Mein Leben beginnt in Sardinien, wo ich als junge Hündin in einem Canile gelandet bin, unverschuldet, ich habe niemandem etwas getan, und trotzdem sitze ich hier hinter Gittern.
Ich bin schon alt, habe die ein oder anderen altersbedingten Gebrechen und dachte nicht, dass sich noch jemand für mich interessiert. Aber es gibt tatsächlich Menschen, denen bin ich nicht egal…
Saving Dogs ist auf mich aufmerksam geworden und die liebe Claudia hat mich – zusammen mit zwei anderen Senior*innen – in ihre Vermittlung aufgenommen.
Und was soll ich euch sagen, es gab tatsächlich Menschen, die sich für mich alte Oma interessiert haben!!!
Und dann ging es los: Ich durfte das Canile verlassen und in Hope einziehen. Was für ein Unterschied! Und nur etwas mehr als 3 Wochen später trat ich meine Reise nach Deutschland an.
Dort angekommen, habe ich meine neuen Zweibeiner kennengelernt. Auf den ersten Blick eine ganz coole Truppe, vor allem die, mit den zwei kurzen Beinen.
Ich habe brav im Transporter gewartet, bis ich mein Geschirr bekommen habe und dann durfte ich nach der langen Reise endlich frische Luft schnuppern. Oh Mann, das war so toll! Natürlich habe ich jeden Grashalm mit meiner Schnauze persönlich begrüßt.
Aber leider ging es dann direkt wieder ins Auto, aber zum Glück nur für einen halbe Stunde. Und dann war ich … Zuhause!
Alles roch so anders und meine Nase wollte alles ganz genau erschnuppern. Aber es war auch kalt und ich habe mich gefreut, als endlich eine Tür aufging und mir warme Luft entgegenströmte.
Aber was war das: Irgendjemand hat doch tatsächlich zwei Betonklötze vor die Tür gebaut! Heute weiß ich, dass man das Treppenstufen nennt und mittlerweile komme ich damit auch sehr gut klar.
Was soll ich euch sagen: Meine neue Familie war von Anfang an begeistert von mir! Am Anfang war ich noch etwas zurückhaltend, na klar, man muss ja erst mal schauen, was die so mit einem vor haben. Und meine Vorsicht war nicht unbegründet, haben die mich doch direkt am nächsten Tag in die Badewanne gepackt und abgeduscht. Offensichtlich hat ihnen meinen „Duft“ nicht ganz so gut gefallen. Aber was soll’s, ich will es mir ja nicht gleich verscherzen, also halte ich brav still, bis ich endlich wieder ins „Trockene“ darf.
Meine neue Familie hat einen Garten und ich habe auch Mitbewohner*innen: Kanninchen! Ich durfte mal schnuppern und ich sag euch die riechen so gut ich musste sie gleich mal abschlecken.
Komischerweise glauben meine neuen Menschen, sie müssten regelmäßig mit mir durch die Gegend laufen. So ganz verstehe ich das noch nicht, schließlich habe ich ja den Garten für „mein Geschäft“, aber die werden sich schon was dabei denken. Immerhin habe ich sehr schnell verstanden: es gibt ein Drinnen und ein Draußen und im „Drinnen“ wird kein Geschäft erledigt. Mein Frauchen sagt, ich bin blitzgescheit und habe das sofort verstanden.
Ich glaube, alles in allem habe ich es gut getroffen. Sie haben mir weichen Decken hingelegt, auf denen ich schlafen kann. Und wenn sie abends ins Bett gehen, wartet ein kleines Bett im Schlafzimmer nur für mich. So kann ich immer bei ihnen sein.
Mein Frauchen sagt, ich laufe an der Leine, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Und egal wer uns begegnet: Ich mag alle Menschen – auch die kleinen – und über Artgenossen freue ich mich auch immer (außer die drehen völlig am Rad, da gehe ich lieber einfach weiter).
Und wisst ihr, was ich mittlerweile auch ganz toll finde? Geknuddelt zu werden! Manchmal drücke ich meinen Kopf gegen ihre Beine und dann kraulen sie mich. Den Trick muss ich mir merken!
Ich bekomme auch regelmäßig Futter, allerdings könnte man an der Menge noch arbeiten. Gott sei Dank gibt’s die mit den zwei kurzen Beinen, die versteckt mir kleine Leckerlis in einem Stoffwürfel und ich darf sie dort raus schlecken.
Da ich mir sicher bin, dass meine Zweibeiner einen Narren an mir gefressen haben und mich nicht mehr hergeben, traue ich mich jetzt, auch mal ein bisschen frech zu sein. Naja, was heißt frech, „clever“ nennt es mein Frauchen. Aber mal ehrlich: Stellt man etwa einen Brotkorb auf einen niedrigen Tisch an die Kante und wundert sind dann, wenn ich versuche ihn gaaanz langsam zu mir zu ziehen? (sie haben es leider gemerkt und es gab kein Brot für mich)
Ich glaube, ich habe mein Zuhause gefunden, ich genieße die Wärme und die Nähe zu meinem neuen Rudel. Und ich glaube, sie freuen sich mindestens genauso wie ich, dass wir nun zusammengehören.
Mein Name ist nun Ginia und ich habe endlich mein Zuhause gefunden, mit Menschen, die mich schon jetzt, über alles lieben!
Eure Virginia (Ginia)
Sooo unglaublich lange musste sie auf ihre Familie warten. Sie war ungefähr 1 Jahr alt, als sich die Türen ihres Gefängnisses hinter ihr schlossen. Es waren 11 lange Jahre!!!
Im Dezember 2025 machten wir auf ihre Situation aufmerksam und am 17.01.2026 wurde sie erwartungsvoll von ihrer Familie am Übergabe-Treffpunkt entgegengenommen. Es ist das erste Zusammentreffen eines Hundes mit seinen Menschen. Der erste Blick ..der erste Kontakt…Aufregung auf beiden Seiten. Vermutlich waren ihre Menschen in diesem Moment deutlich aufgeregter als Virginia, denn dieses alte Mädchen schien augenblicklich verstanden zu haben, dass sie willkommen war. Sofort öffnete sie ihren Menschen ihr großartiges Hundeherz. Als könnte sie es selbst kaum erwarten endlich auf ihre Familie zu treffen, wedelte sie überschwänglich mit dem Schwanz. Im zuhause angekommen wurde alles abgeschnüffelt und für gut befunden. Am nächsten Morgen verstärkte sich der Eindruck, dass Ginia einfach unglaublich nett und freundlich ist. Sie macht ihr Geschäft draußen, sie lässt sich überall anfassen, sie ist leinenführig, sie lässt sich auf Suchspiele ein. Der vorhandene handzahme Hase wurde von ihr sorgfältig abgeleckt…. und so könnten wir weiterhin jedes Detail von ihrer Ankunft berichten.
Ihre Familie ist - ohne Übertreibung – so sehr in sie verliebt und Ginia gibt diese Liebe zurück.
Sie hat die Jahre im Canile hinter sich lassen können.Wie die meisten Hunde lebt sie im „hier und jetzt“, denn für das Lebensglück ist es niemals zu spät.
Wir werden nicht müde es immer wieder zu sagen und zu schreiben : “diese Hundesenioren holen sich ihr Leben zurück“.
Wir wünschen der bezaubernden Ginia und ihrer wunderbaren Familie eine lange und intensive Zeit miteinander. Freut euch auf den Frühling, wenn ihr mit Ginia draußen unterwegs sein werdet, wenn ihr gemeinsam mit ihr das Wiedererwachen der Natur erleben werdet. Freut euch über ihre Konzentration beim Schnüffeln oder bei der Beobachtung von Schmetterlingen ….Es gibt sicherlich gemeinsam viel zu entdecken …
Wir bleiben in Kontakt!
Ginia ist am 17.Januar in ihrer Familie in Rodgau angekommen.