Elvi Reglin

Ich bin mit vielen Kleintieren und Katzen aufgewachsen, alles Findelkinder, die keiner mehr wollte und verletzte Wildtiere, die ich pflegte und päppelte und die dann auch den Rest ihres Lebens bei uns im Garten vebringen konnten. Mein Vater baute mir zu liebe immer ein Häuschen oder andere Unterschlupfmöglichkeiten für die Wildtiere.
Unsere erste Schäferhündin "Tessa" kam als Welpe vom Züchter; sie war der ganze Stolz (hatte sie doch viel Geld gekostet!) meines Vaters und meine allerbeste Freundin. Als sie mit elf Jahren gehen musste, war mir klar, dass ich wieder einen Hund haben will. Und so kam ein neuer Welpe aus einem ungewollten Wurf in der Nachbarschaft. Diese Hündin bekam den gleichen Namen "Tessa", weil meine Mutter sonst nicht stundenweise auf sie aufpassen wollte. Aber im Grunde war es egal, meine Mutter war genauso verliebt in die Maus wie ich. Diese katzenfreundliche Hündin begleitete mich dann 16 Jahre durch viele Höhen und Tiefen in meinem Leben.
Da später mein Mann auch endlich einen "eigenen" Hund haben wollte, schaute ich im Internet nach großen, katzenverträglichen Hunden. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt keinen Welpen mehr erziehen, da es zeitlich nicht so passte. Dabei wurde ich auf einen Irischen Wolfshund-Schnauzer-Mischling aufmerksam und innerhalb einer Woche kam Jana (3 Jahre) zu uns aus dem Tierschutz Spanien und ich musste begreifen, was es heißt, plötzlich einen erwachsenen, ängstlichen Hund an der Seite zu haben. Das kennt man so ja nicht, wenn man vorher Welpen hatte. Aber wir stellten uns dieser Herausforderung mit Hilfe einer guten Hundeschule und bekamen die tollste Hündin, die ich bisher hatte. Sie war super sozialisiert mit Hunden, Katzen und Kindern. Jetzt hieß es nur noch, ihr ein wenig Grundgehorsam beizubringen. Jana lernte schnell alle Tugenden und Untugenden des Lebens bei uns kennen und bald adoptierten wir noch eine zweite kleine Hündin aus dem Tierschutz, die Jana´s Augäpfelchen wurde. Im wahrsten Sinne sogar, denn Bambi musste auf Grund einer Augenerkrankung beide Augen entfernt werden und Jana legte nochmal ein Schüppchen drauf, zu zeigen wie die Hundekommunikation funktioniert. Die zwei waren echt ein Dream-Team und ich hatte die Möglichkeit von ihnen zu lernen. Leider wurden im Jahr 2015 beide Hundemädels sehr krank, so dass wir uns nacheinander von ihnen verabschieden mussten. Wir hatten sehr schöne sieben und zehn Jahre mit ihnen.

Meine letzten Wochen mit Jana bestanden darin, daß sie sich immer wieder aufrappelte, um mir noch etwas zu "sagen" und irgendwann habe ich gesehen, dass sie wirklich gar nicht mehr kann und alles nur noch uns zu Liebe mitmacht. An diesem Tag habe ich sie in meinen Armen gehalten und ihr versprochen, daß ihr Platz niemals leer oder kalt werden würde. Ihr Platz in meinem Herzen ist immer noch warm und erfüllt, denn Jana lebt weiter in mir. Sie hat mir zu verstehen gegeben, was ihr das Zuhause bedeutet hat und was es anderen verheißen könnte. Sie war immer ein sehr freundliches Hundemädchen und freute sich über jeden Hundebesuch Zuhause. Ich hatte ihr versprochen, ich werde mich wieder um eine arme Seele ihrer Art kümmern, obwohl es damals eigentlich zeitlich gar nicht gegangen wäre, sich sofort wieder einen eigenen Hund zu zulegen. Also mussten wir abwägen und ich rief im Dezember 2015 eine Woche vor Heilig Abend bei Karin Loebnitz an, ob es ginge, dass wir einen Hund unter 20 kg bekommen könnten und nach Möglichkeit total menschenfreundlich und ohne großartige Ängste. Glücklicherweise war mir mein Ruf als hundeerfahrene Frau schon ein wenig voraus geeilt und Karin wusste demnach von einer anderen Pflegestelle in Monheim, auf wen sie sich einlässt, wenn sie uns einen Welpen mitbringt, denn sie war gerade auf Sardinen. Also bekamen wir am 21.12.2015 unseren ersten Pflegi Ronni, damals 15 Wochen alt. Sicher, als ich den abgeben musste im März, habe ich selbstverständlich geweint, ja... aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine andere Wahl, als ihn abzugeben.
Wenn ich zurück denke, daß er eine ganz tolle Familie bekommen hatte, fällt es mir heute noch wesentlich leichter, als irgendeinen meiner Hunde beim Tierarzt erlösen lassen zu müssen! Das ist das Schöne an dieser Arbeit!!! Ich brachte ihn schließlich nur auf den Weg, ein schönes neues Zuhause zu finden, anstatt auf Sardinien keinerlei Chancen zu haben. Er war stubenrein, gut erzogen und sozialisiert, als er von uns weg ging. Zudem wartete auf Sardinien schon der nächste arme Knopf: Negro kam am 10.03.2017, ein schwarzer Angsthund, der sehr viel Zuwendung und Liebe brauchte. Während seiner Anwesenheit bei mir kamen noch Melly und Zoe dazu, ab und zu mal Dario für paar Tage... Xandra und Fix ebenso und dann waren noch Toto, Ebby, Fedora und noch eine Zoe bei mir und zur Zeit sitzen noch Casper, Malia und Lena hier und warten auf ein neues Zuhause. Das heißt: zwischendurch hatte ich immer mal wieder drei bis vier Hunde mit verschiedenen Charakteren bei mir sitzen, die alle untereinander voneinander lernen konnten. UND ICH ERST!!! Was ich von diesen tollen Hunden alles gelernt habe, kann mir niemand beibringen!!!
Ich kann eines sagen: ich habe bisher mein Versprechen an meine Jana gehalten! Ich kümmere mich jetzt um arme Seelchen ihrer Art und versuche zu helfen, wo ich kann. Jeder meiner Pflegis hatte einen tollen Start hier in Deutschland und ich werde nicht müde, sie weiter aufzufangen. Es ist schön, wenn man sie sieht, wie sie auftauen, ankommen, heranwachsen und ich bin froh, wenn jeder einzelne Hund ein schönes, neues Zuhause bekommt, wo er geliebt wird. Ich trage einfach nur dazu bei, dass es noch mehr Hunden gut geht und wer weiß: vielleicht bleibt mal ein schlauer Janabär bei mir kleben...

 

Aber so kann ich eben Hunde haben; es wird nie langweilig bei mir und ich brauche keinen einzigen Hund mehr zum Tierarzt begleiten auf seinem letzten Weg. Das Abgeben in seine neue Familie fällt mir 100 mal leichter als den Weg zum Tierarzt zu gehen, das könnt ihr mir glauben. Denn die Adoptanten freuen sich auf ihr neues Familienmitglied und ich freue mich, daß ich alle meine Pflegis immer mal wieder sehen kann und darf. Es ist ein einfacherer Weg, als so mancher denkt, man muss es nur mal ausprobieren und mir nicht immer wieder sagen: "dass DU das so kannst, den Hund dann einfach wieder abgeben... das könnte ich ja gar nicht..."

 

Es kommt immer darauf an, welche Wahl man hat, wie der eigene Hund ins Leben passen würde und weil das gerade noch nicht geht und ich Zeit übrig habe, kann ich auch mal gemeinnützige Arbeiten erledigen und für mich sind das die schönsten Arbeiten und Stunden der Welt. Einem Hund, dem besten Freund des Menschen, zu zeigen, daß hier in Deutschland die Menschen die Hunde lieben und umgekehrt. So findet dann zusammen, was zusammen passt und ich wünsche allen meinen bisher gut vermittelten Pflegis 15 tolle Jahre mit ihren neuen Familien!